Von Babylon bis zum Mond
Eine moderne Dauerausstellung, ein digitaler Medienguide und neue Wege über das Gelände machen den Museumsbesuch zu einem echten Erlebnis.
Brandneu ab 20. März
Drinnen wird Geschichte zum Spiel: Entdecken Sie beeindruckende Ziegelbauten, reisen Sie spielerisch durch verschiedene Epochen und erfahren Sie, wie Menschen früher, heute und in Zukunft bauen und zusammenleben.
Draußen laden neue Themeninseln dazu ein, das Gelände der ehemaligen Ziegelei individuell zu erkunden. Anschaulich aufbereitete Stationen an den originalen Produktionsorten erklären die Ziegelherstellung, ergänzt durch neu gestaltete Bereiche zu den lippischen Wanderzieglern.
Ein Museum – viele Perspektiven. Und ein Baustoff, der Geschichte schreibt.
Let's play
Spielerische Ausstellung im Hauptgebäude
Die Dauerausstellung im Hauptgebäude des Museums stellt sechs Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten in den Mittelpunkt, in denen Ziegel eine wichtige Rolle spielten: Vom Turm von Babylon über eine römische Villa bis zum Rathaus in Stralsund. Das Besondere: Zu jedem Gebäude gibt es ein eigenes digitales oder analog-digitales Spiel, das zentrale Inhalte vermittelt. Entlang der Themen Bauen, Architektur, Wohnen und Stadtentwicklung können Besuchende spielerisch die Besonderheiten der jeweiligen Zeiten entdecken. Ein weiterer Ausstellungsteil widmet sich aktuellen Zukunftstrends und wird alle zwei Jahre durch einen neuen Fokus und andere Fragestellungen aktualisiert.
Turm von Babylon
Der Bau des 90 m hohen, siebenstufigen Tempelturms Etemenanki in Babylon gilt als reale Vorlage für die bekannte biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel. Er wurde im 6. Jh. v. Chr. vom babylonischen Herrscher Nebukadnezar II errichtet. Er stellt eine architektonische Meisterleistung dar, die belegt, dass bereits vor über 2.000 Jahren Hochhäuser aus Ziegeln errichtet wurden. Vom Herrscher erbaut und von den Göttern beschützt bildete der Tempelturm das gesellschaftliche Zentrum der Stadt.
Villa Otrang
Die Einführung von Ziegeln als Baumaterial durch die Römer ermöglichte neue Bauweisen und luxuriöse Wohnformen. Die Villa Otrang in der Nähe von Trier wurde im 1. Jh. n. Chr. erbaut und dient als Beispiel für diese Entwicklung. Sie zeigt den Luxus und Komfort, der in solchen Villen geboten wurde: beheizte Böden, private Bäder, kunstvolle Mosaike und prunkvoll gestaltete Wände. Darüber hinaus hatte die römische Villa durch ihre Ländereien und Wirtschaftsflächen auch eine wichtige landwirtschaftliche Funktion und sicherte die Versorgung der gesamten Umgebung.
Rathaus Stralsund
Der Architekturstil der Backsteingotik erlebte im Mittelalter seine Blütezeit. Zahlreiche Gebäude wurden in den jungen Städten an der Ostsee aus Backsteinen erbaut. Als Beispiel hierfür dient das Rathaus in Stralsund, das größtenteils im 14. Jh. erbaut wurde. Das dekorative Rathaus zeigt Reichtum und Macht der Hansestadt. Es bildete mit den Besprechungsräumen, Lagerhalle sowie Buden für Kleinhändler und Krämer einen multifunktionalen Mittelpunkt des städtischen Lebens. Das Rathaus wurde im Laufe der Jahrhunderte genutzt, überarbeitet und saniert, so dass heute verschiedene Architekturformen daran erkennbar sind.
Mietshaus Kreuzbergstr. 72
Der Maurermeister Dolz baute 1885 ein Mietshaus an der Kreuzbergstraße in Berlin. Es entstand eine Mischung aus Wohnen und Kleingewerbe. Das Vorderhaus beherbergte große Wohnungen, während im Hinterhaus einfache Arbeiterinnen und Arbeiter wohnten. Die Ziegel für den Bau wurden aus Zehdenick geliefert. Der Baustil des Hauses und der Umgebung war historistisch. Der Stadtplaner James Hobrecht entwarf einen Plan für die Stadtentwicklung in Berlin, der die Bedürfnisse einer industrialisierten Großstadt berücksichtigte.
Siedlung Siekerfelde
Die Genossenschaft "Freie Scholle" baute 1927 die Siedlung Siekerfelde in Bielefeld. Es entstanden 101 Wohnungen rund um einen Sportplatz. Die Wohnungen waren gut ausgestattet und es wurden auch spezielle Wohnungen für alleinstehende Frauen mit Kindern eingerichtet. Die Genossenschaft plante die Siedlung mit einem eigenen Architekten und verwendete Ziegel aus der Umgebung. Die Genossenschaft ist heute die größte Wohnungsbaugenossenschaft in Bielefeld mit über 5.000 Wohnungen und 7.600 Mitgliedern. Sie bietet ihren Mitgliedern eine umfassende Infrastruktur im Wohnumfeld an. Der Backsteinexpressionismus war ein prägender Baustil dieser Zeit, der mit klaren Strukturen und dem Einsatz von Ziegeln neue Gebäude schuf.
Einfamilienhaus
Das Einfamilienhaus ist nach wie vor ein Traum vieler Menschen, mit dem jedoch viele Vor- und Nachteile verbunden sind. Verschiedene Menschen aus der Umgebung von Lage teilen ihre ganz persönlichen Geschichten und Erfahrungen mit dem Einfamilienhaus. Es werden auch Fragen zur Nachhaltigkeit des Einfamilienhausbaus und zur städtischen Entwicklung behandelt. Die Stadtentwicklung in der Gemeinde Lage wird dabei als regionales Beispiel betrachtet.
Zukunft
Die Ausstellungseinheit bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und lädt Besucher:innen zur Diskussion gesellschaftlich relevanter Fragen ein. Die Einheit ist flexibel und wird regelmäßig mit neuen Themen aktualisiert. Zur Eröffnung wird das Schwerpunktthema "Zirkuläres Bauen" bespielt werden - dabei geht es beispielsweise um die Rückführung von Baustoffen in den Materialkreislauf und die Wiederverwendung von bereits in Gebäude verbauter Teile.
Auf dem Museumsgelände
Anschaulich aufbereitete Themeninseln auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Beermann ergänzen die Ausstellung im Hauptgebäude. Nach einem Überblick über den Rohstoff Lehm führen die Wege durch ehemalige Produktionsstätten und erläutern an barrierearm gestalteten Stationen die Schritte der Ziegelherstellung. In weiteren Ausstellungsräumen sind die Geschichte der lippischen Wanderziegler sowie die Familienhistorie des Ziegeleigründers Beermann zu finden.
Rohstoff Lehm
Ton, Wasser, Sand
Der Besuch des Museumsgeländes startet mit einem Überblick über den Rohstoff Lehm, mit dem Menschen schon seit Jahrtausenden bauen. Er kommt an vielen Orten der Welt vor, lässt sich gut formen und wiederverwenden. Wenn er gebrannt wird, härtet er dauerhaft aus. So entsteht der Ziegel – eines der ältesten Baumaterialien der Menschheit.
Der Abbau von Lehm erfolgt meist in Gruben an der Oberfläche, im sogenannten Tagebau. Nach dem Ende des Lehmabbaus werden die Gruben zu neuen Lebensräumen, Agrarflächen oder Erholungsgebieten.
Handstrich
Ziegel durch Muskelkraft
Jahrtausendelang stellten Ziegler die Ziegel mit bloßen Händen her. Sie arbeiteten direkt neben den Lehmvorkommen. Dort, auf dem freien Feld errichteten sie auch die Öfen. Darum heißen sie Feldbrandöfen. Erst im 19. Jahrhundert kamen erste Maschinen für die Ziegelproduktion. Heute produziert Asien bis zu 87 % der Ziegel weltweit – und oft auch noch mit den Händen.
Maschinenziegelei
Im Takt der Maschinen
Die Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert veränderte die Ziegelherstellung radikal. Sie trieb die neuen Maschinen auf den Ziegeleien an, die die Produktion beschleunigten und die Handarbeit ersetzten. Die historische Anlage ist im Rahmen von Schauproduktionen weiter in Betrieb: Jeden Sommer entstehen dabei in zwei Wochen über 15.000 Ziegel.
Ringofen
Feuer und Flamme
In einem Ringofen, wie hier auf der Ziegelei, wanderte das Feuer durch den Ofen. Wenn das Feuer auf der gegenüberliegenden Ofenseite war, räumten Arbeitskräfte die gebrannten Ziegel aus und legten vor dem Feuer neue Rohlinge ein. Einmal entzündet, brannte der Ofen vom Frühjahr bis zum Saisonende im November. Jedes Jahr findet im Museum der Ziegelbrand im Schaubetrieb in einem Teil des Ringofens statt.
Sozialgeschichte
Arbeit, Alltag und Familie
Vor 150 Jahren verließen bis zu 14.000 Männer von März bis Oktober ihre Familien im Fürstentum Lippe. Sie stellten Ziegel in Norddeutschland, rund um Berlin und im Ruhrgebiet her. Die rasant wachsenden Städte benötigten das Baumaterial für Wohnungen und Fabriken.
Die meisten Menschen in Lippe arbeiteten als Hilfskräfte in der Landwirtschaft. Zusätzlich verdienten sie Geld durch Spinnen und Weben von Leinen in Heimarbeit. Der Bau der Eisenbahn von Köln nach Minden schuf 1847 die Grundlage für die Industrialisierung. Lippe blieb allerdings bis 1880 ohne Eisenbahnanschluss. Mit der industriellen Herstellung konnte die Heimarbeit nicht konkurrieren. Die Bevölkerung verarmte. Zehntausende wanderten nach Amerika aus oder arbeiteten als Wanderziegler.
Bis heute ist wirtschaftliche Not der Grund für Wanderarbeit.
Wanderarbeit
In einer ehemaligen Zieglerunterkunft zeigt das Museum vertiefend die Geschichte der lippischen Wanderziegler. Die Ausstellung beleuchtet Aspekte des Zusammenlebens und Miteinanders der Männer aus Lippe, die Jahr für Jahr erneut für ihre Arbeit in anderen Ziegeleien auf Reisen gingen.
Familie und Landwirtschaft
Im Zieglerkotten wird demgegenüber die Perspektive der Frauen der Wanderziegler gezeigt, die zusammen mit den Kindern in Lippe verblieben. Sie trugen die Verantwortung für die Familie und ihre Versorgung, indem sie in der Landwirtschaft arbeiteten und große Gemüsegärten bewirtschafteten.
Reise in die Fremde
Der 4.-Klasse-Waggon erzählt von der Reise der Wanderziegler, die ab 1880 durch eine Eisenbahnverbindung ab Lippe erleichtert wurde.
Villa Beermann
Die Unternehmensgeschichte
Die Ausstellung in der Unternehmervilla beleuchtet die Familiengeschichte des Ziegeleigründers Beermann. Die Unternehmerfamilie Beermann betrieb die Ziegelei von 1909 bis 1979 und wohnte direkt nebenan. Das Gebäude wurde 1922 errichtet. Zunächst lebte hier der Firmengründer Gustav Beermann mit seiner Frau Emilie und den fünf Kindern. Später bewohnten die Eltern das Erdgeschoss, während die erwachsenen Kinder mit ihren Familien in den ersten Stock zogen. So wurde die Villa zum Mehrgenerationenhaus. Das Museum übernahm das Gebäude 2003. Nach aufwendiger Sanierung zeigt es heute die Unternehmensgeschichte der Ziegelei. Das Obergeschoss bietet außerdem Platz für Sonderausstellungen und Büroräume.
Museums-App
Für den Besuch der Ausstellung steht die Museums-App zum Download zur Verfügung. Sie bietet Inhalte in Deutsch, Englisch und Deutscher Gebärdensprache. Mit der App können Besuchende zudem Teil der Ausstellung werden und ein eigenes digitales Haus in der großen Mitmachstadt in der Dauerausstellung bauen.